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Niedersächsisches Baugewerbe - Auftragseingänge brechen im Mai ein

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise erreichen das niedersächsische Baugewerbe. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen gingen die Auftragseingänge im Baugewerbe im Mai 2020 um 19,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück und erreichte noch ein Volumen von 843,3 Millionen Euro. Dagegen stieg der baugewerbliche Umsatz im Mai 2020 noch einmal leicht um 0,5 Prozent gegenüber April 2020 an. Danach haben die Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten im niedersächsischen Baugewerbe im Mai 2020 einen Umsatz von gut 905,7 Millionen Euro erwirtschaftet, was in etwa dem Vorjahresniveau entspricht. Der Umsatz betrug in den ersten fünf Monaten des Jahres kumulativ ca. 3,9 Milliarden Euro (+ 9,3 Prozent).

„Noch sind die meisten unserer Mitgliedsbetriebe gut beschäftigt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Auftragseingang seit Wochen schlecht ist", kommentiert Matthias Wächter, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen, die jüngste Entwicklung. „Das dicke Auftragspolster der Bauunternehmen aus den vergangenen 12 Monaten ist aufgezehrt. Derzeit arbeiten die Unternehmen noch die hohen Auftragsbestände vom Jahresbeginn ab."

Im Wirtschaftsbau fehlen die Impulse aus dem Dienstleistungsbereich und dem Handel. Auch die exportorientierte Industrie und die Gastronomie haben mit erheblichen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Hier wurden infolge des Lockdowns Investitionen storniert oder verschoben. So lagen die Auftragseingänge im Gewerbe- und Industriehochbau im Mai 2020 um 26,1 Prozent niedriger als im April 2020. Das Minus gegenüber Mai 2019 betrug 21,1 Prozent.

Besonders hart trifft es die im Straßenbau tätigen Unternehmen. Die Ordereingänge von öffentlichen Auftraggebern sanken im Mai um 9,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Kommunen als wichtigste öffentliche Auftraggeber kämpfen mit wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen sowie fehlenden Gebühren aus kommunalen Betrieben, was ihre Investitionsbereitschaft erheblich einschränkt. Verschärfend kommt hinzu, dass die Vergabe öffentlicher Bauleistungen während des Lockdowns stark eingeschränkt war, weil sich viele Mitarbeiter der Bauverwaltungen im Homeoffice befanden.
Zwar ist der Wohnungsbau mit einem Plus von 16 Prozent zum Vorjahreszeitraum noch am positivsten zu bewerten, jedoch sanken auch hier die Auftragseingänge im Mai 2020 um 7,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 5,4 Prozent gegenüber Mai 2019. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich institutionelle Anleger auch vor dem Hintergrund des benötigten Finanzierungsbedarfs noch nachhaltig zu ihren Projekten bekennen.

Mit Blick auf die festgefahrenen Tarifverhandlungen in der Bauwirtschaft warnte Wächter vor zu hohen Erwartungen. „Die Entwicklung in den kommenden Monaten bereitet uns Sorgen. Wir erwarten im Herbst eine zurückgehende Bautätigkeit in allen Bausparten. Ein hoher Tarifabschluss würde unweigerlich zu Kurzarbeit und Entlassungen in unserer weitgehend von der Corona-Pandemie verschonten Branche führen."

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