Baukonjunktur: Stabilisierung erkennbar – Trendwende noch nicht erreicht
Die jüngsten Konjunkturdaten senden für das Bauhauptgewerbe wieder etwas positivere Signale. Auftragseingänge und Baugenehmigungen haben zuletzt zugelegt. Nach dem schwachen und teilweise stark schwankenden Verlauf der vergangenen Jahre ist dies zunächst ein Zeichen für eine gewisse Stabilisierung. Von einem breit getragenen Aufschwung kann allerdings noch nicht gesprochen werden.
Bundesweit stieg der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juni 2026 gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 6,0 Prozent. Auch der weniger schwankungsanfällige Dreimonatsvergleich fällt positiv aus: Von April bis Juni lagen die Auftragseingänge real 5,7 Prozent über den drei Monaten zuvor. Dabei entwickelte sich der Tiefbau mit einem Plus von 9,3 Prozent deutlich stärker als der Hochbau mit 1,5 Prozent. Der reale Umsatz lag im Juni 6,6 Prozent über dem Vorjahresmonat. Allerdings weist das Statistische Bundesamt ausdrücklich darauf hin, dass mehrere Großaufträge die Entwicklung der Auftragseingänge beeinflusst haben.
Auch bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau zeigt die Entwicklung wieder nach oben. Im ersten Halbjahr 2026 wurden bundesweit 126.300 Wohnungen genehmigt – 15,1 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Juni allein lag die Zahl mit 21.600 Wohnungen 13,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Dabei nahmen die Genehmigungen sowohl für Ein- und Zweifamilienhäuser als auch für Mehrfamilienhäuser zu. Einzuordnen ist diese Entwicklung allerdings vor dem Hintergrund des zuvor sehr niedrigen Genehmigungsniveaus: 2024 und 2025 waren in den ersten sechs Monaten lediglich 106.700 beziehungsweise 109.800 Wohnungen genehmigt worden.
Unser Bundesverband (Zentralverband Deutsches Baugewerbe) bewertet die aktuellen Zahlen deshalb ebenfalls als Anzeichen einer Stabilisierung, warnt jedoch vor einer vorschnellen Interpretation als Bauwende. Gerade im Wohnungsbau bleibt die Entwicklung volatil. Steigende Genehmigungszahlen führen zudem nicht automatisch kurzfristig zu entsprechenden Bauaufträgen. Finanzierung, Förderbedingungen und Investitionsentscheidungen bleiben entscheidend dafür, ob genehmigte Projekte tatsächlich umgesetzt werden. Auch im öffentlichen Bau und im Straßenbau zeigen sich zwar positive Auftragssignale; Impulse aus den zusätzlichen Infrastrukturmitteln sind nach Einschätzung unseres Bundesverbandes bislang jedoch noch nicht flächendeckend bei den Betrieben angekommen.