Baukonjunktur

KfW-Kommunalpanel 2026: Kommunen unter Druck

Investitionsrückstand wächst auf Rekordniveau

Die finanzielle Lage der Städte, Gemeinden und Landkreise hat sich weiter verschärft. Das am 17. Juni 2026 veröffentlichte KfW-Kommunalpanel 2026 weist für die Kommunen das zweite Rekorddefizit in Folge aus.

Gleichzeitig steigt der wahrgenommene Investitionsrückstand auf 231,2 Milliarden Euro. Für die Bauwirtschaft ist diese Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung: Kommunen gehören zu den wichtigsten öffentlichen Auftraggebern – gerade für mittelständische Bauunternehmen in Niedersachsen.

Zweites Rekorddefizit in Folge

Die kommunale Finanzlage hat sich im Jahr 2025 erneut deutlich verschlechtert. Die Kern- und Extrahaushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände schlossen zusammen mit einem Defizit von 31,9 Milliarden Euro ab. Das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Gegenüber 2024 hat sich das Defizit nochmals um 7,1 Milliarden Euro erhöht.

Ursache ist vor allem, dass die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen. Während die kommunalen Einnahmen 2025 um 4,1 Prozent zunahmen, erhöhten sich die Ausgaben um 5,6 Prozent. Besonders stark ins Gewicht fallen Personalaufwendungen und Sozialausgaben. Die Investitionsausgaben legten dagegen nur noch vergleichsweise schwach zu.

Die Stimmung in den kommunalen Kämmereien ist entsprechend angespannt. Nur noch rund ein Drittel der Kommunen bewertet die eigene Finanzsituation als befriedigend oder besser. 44 Prozent stufen ihre Lage als mangelhaft ein. Für das Jahr 2026 rechnen 80 Prozent der Kommunen mit einer weiteren nachteiligen Entwicklung; mit Blick auf die kommenden fünf Jahre sind es sogar 91 Prozent.

Auch die kommunale Verschuldung ist deutlich gestiegen. Sie erhöhte sich 2025 um 16 Prozent auf 196 Milliarden Euro. Besonders auffällig ist die Zunahme der Kassenkredite um 21,3 Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Kassenkredite dienen der kurzfristigen Überbrückung von Zahlungsengpässen und gelten daher als klares Zeichen für angespannte Haushalte.

Investitionsrückstand erreicht neuen Höchststand

Parallel zur schwierigen Finanzlage wächst der Investitionsrückstand weiter an. Die Kommunen beziffern den wahrgenommenen Rückstand inzwischen auf 231,2 Milliarden Euro. Das sind 15,5 Milliarden Euro beziehungsweise 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die größten Rückstände bestehen weiterhin bei Schulen sowie bei Straßen und Verkehrsinfrastruktur. Allein auf diese beiden Bereiche entfallen zusammen mehr als 120 Milliarden Euro.

Der Bedarf ist also weiterhin enorm; Schulen müssen saniert oder erweitert, Straßen instandgesetzt, Brücken ertüchtigt, Sporthallen modernisiert und kommunale Gebäude energetisch verbessert werden. Es fehlt also nicht an Aufgaben. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob die Kommunen finanziell und personell in der Lage sind, diese Bedarfe auch in konkrete Ausschreibungen und Bauaufträge zu überführen.

Die tatsächlich verausgabten Sachinvestitionen der Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnern stagnierten 2025 bei rund 29,3 Milliarden Euro. Über alle Kommunen hinweg weist die amtliche Statistik zwar noch ein nominales Plus bei den Sachinvestitionen aus. Bereinigt um die Baupreisentwicklung ergibt sich jedoch ein realer Rückgang. Seit 2018 sind die kommunalen Sachinvestitionen real um 17 Prozent gesunken. Der Substanzverlust der kommunalen Infrastruktur schreitet damit weiter voran.

Sondervermögen: Wichtiger Impuls, aber keine automatische Lösung

Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sollen zusätzliche Mittel für Investitionen bereitgestellt werden. Insgesamt umfasst das Sondervermögen 500 Milliarden Euro. Ein Teil davon soll über die Länder an die kommunale Ebene weitergegeben werden. Grob geschätzt könnten den Kommunen über die Laufzeit rund 60 Milliarden Euro zur Verfügung stehen – also etwa 5 Milliarden Euro pro Jahr.

Das ist ein wichtiger Baustein. Die Ergebnisse des KfW-Kommunalpanels zeigen aber auch: Das Sondervermögen löst die kommunale Investitionskrise nicht automatisch.

Nur 22 Prozent der Kommunen erwarten für 2026 echte Mehrinvestitionen durch das Sondervermögen. Für 2027 sind es 38 Prozent. Die Mehrheit der Kommunen geht also zunächst nicht davon aus, dass die zusätzlichen Mittel kurzfristig zu höheren Investitionen führen, als ohne das Sondervermögen geplant gewesen wären.

Das Sondervermögen dürfte daher vielerorts eher stabilisierend wirken. Es kann helfen, einen weiteren Rückgang der Investitionstätigkeit zu verhindern oder bestehende Finanzierungslücken abzufedern. Für einen spürbaren Abbau des Investitionsrückstands reicht dies jedoch nicht aus, wenn die Mittel nicht zusätzlich eingesetzt werden und wenn sie nicht schnell in konkrete Projekte münden.

Bauwirtschaft braucht verlässliche kommunale Investitionen

Aus Sicht der Bauwirtschaft muss die kommunale Investitionsfähigkeit deutlich gestärkt werden. Die Mittel aus dem Sondervermögen müssen zusätzlich wirken und dürfen nicht lediglich wegfallende Eigenmittel ersetzen oder zur Entlastung angespannter Haushalte genutzt werden. Ebenso wichtig sind einfache Förderverfahren, klare Zuständigkeiten und eine zügige Umsetzung vor Ort.

Für die Bauunternehmen in Niedersachsen kommt es auf Planungssicherheit an. Betriebe brauchen verlässliche Ausschreibungen, realistische Projektzeitpläne und eine kontinuierliche öffentliche Nachfrage. Nur dann können Kapazitäten gehalten, Fachkräfte gesichert und Investitionen in den eigenen Betrieb verantwortungsvoll geplant werden.

Das KfW-Kommunalpanel 2026 zeigt damit sehr deutlich: Der Bedarf an öffentlicher Infrastruktur ist größer denn je. Jetzt kommt es darauf an, dass die vorhandenen Mittel schnell und zielgerichtet in konkrete Bauvorhaben umgesetzt werden.

Hinweis: Beim KfW-Kommunalpanel handelt sich um die größte Kämmereibefragung in Deutschland. Die Ergebnisse sind für Kommunen ab 2.000 Einwohnern repräsentativ und geben damit einen belastbaren Einblick in die finanzielle Lage der kommunalen Ebene.

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