der Verband berichtet

Hochschulbau braucht Tempo, Planungssicherheit und mittelstandsgerechte Vergabe

Fachveranstaltung „Bauen für die Wissenschaft“ verdeutlicht den Sanierungsdruck an Niedersachsens Hochschulen

Exzellente Wissenschaft braucht angemessene Räume – unter diesem Leitgedanken stand die Fachveranstaltung „Bauen für die Wissenschaft“, zu der der Baugewerbe-Verband Niedersachsen und der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen gemeinsam nach Hannover eingeladen hatten. Im Mittelpunkt standen die bauliche Situation der Hochschulen, der erhebliche Investitions- und Sanierungsbedarf sowie die Frage, wie öffentliche Mittel schneller in konkrete Bauprojekte umgesetzt werden können.

Die Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft zusammen. Neben dem Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, wirkten unter anderem Hochschulpräsidentinnen und -präsidenten, Kanzlerinnen und Kanzler sowie Verantwortliche aus dem Gebäudemanagement mit. Auch der Blick aus Bremen war durch Senatsbaudirektor Arend Bewernitz vertreten.

Aus Sicht der niedersächsischen Bauwirtschaft war die Veranstaltung ein gelungener Auftakt für einen engeren Dialog zwischen Wissenschaft und Bauwirtschaft. Deutlich wurde: Der Handlungsdruck ist größer, als vielfach angenommen. Die im Plenum vertretenen Hochschulen bewerteten die bauliche Lage vieler Standorte als ausgesprochen angespannt. Besonders im Sanierungsbereich besteht erheblicher Druck.

Investitionen müssen auf den Campus kommen

Das Land Niedersachsen hat mit den angekündigten Investitionen ein starkes Signal gesetzt. Bis 2031 sollen über 1,3 Milliarden Euro in Neubauten und bauliche Sanierungen im Wissenschaftsbereich fließen. Besonders bedeutsam ist das Sanierungsprogramm für Hochschulbauten mit 500 Millionen Euro.

Für die Bauwirtschaft ist klar: Diese Mittel sind dringend notwendig. Gleichzeitig entscheidet sich der Erfolg nicht allein an der Höhe der bereitgestellten Gelder, sondern an der Umsetzung. Vertretend für den Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN) brachte Herr Behnke brachte die zentrale Botschaft in seinem Abschlussstatement auf den Punkt: „Geld ist gut, aber Geld allein saniert keine maroden Hochschulen.“

Aus Haushaltsmitteln müssen Projekte werden. Aus Projekten Planungen. Aus Planungen handhabbare Ausschreibungen. Und aus Ausschreibungen Baustellen, die funktionieren. Dafür braucht es praxistaugliche Verfahren, ausreichende Verwaltungskapazitäten, klare Zuständigkeiten und eine frühzeitige Einbindung der bauausführenden Wirtschaft.

Sanierung als zentrale Zukunftsaufgabe

Die Diskussion zeigte: Neben Neubauprojekten rückt vor allem die Sanierung des Hochschulbestands in den Mittelpunkt. Hochschulbau bedeutet häufig Bauen im laufenden Betrieb, unter komplexen technischen Bedingungen und in Bestandsgebäuden, die Überraschungen bereithalten. Forschung und Lehre können nicht einfach angehalten werden.

Umso wichtiger sind realistische Bauabläufe, belastbare Planung, verlässliche Finanzierung und eine Vergabepraxis, die die Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Bauunternehmen nutzt. Gerade mittelständische Betriebe sind ein wesentlicher Teil der Lösung: Sie sind regional verankert, kennen die Anforderungen öffentlicher Auftraggeber, und verfügen über enorme Erfahrung – auch beim Bauen im Bestand

Hochschulgesetz-Novelle als wichtiger Baustein

Positiv bewertet wurde auch die laufende Novellierung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes. Ziel der Landesregierung ist es, den Hochschulen mehr Freiheit zu geben, Bürokratie abzubauen und Eigenverantwortung zu stärken. In der Diskussion wurde dies als notwendig eingeordnet, um Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Zuständigkeiten näher an die tatsächlichen Bedarfe der Hochschulen zu rücken.

Für die Bauwirtschaft ist dabei entscheidend: Mehr Autonomie muss auch zu mehr Handlungsfähigkeit führen. Hochschulen, Staatliches Baumanagement und Verwaltung brauchen die personellen und fachlichen Kapazitäten, um Investitionen zügig, rechtssicher und wirtschaftlich umzusetzen.

Mittelstandsgerechte Vergabe bleibt zentrale Forderung

Ein zentrales Anliegen des BVN ist die mittelstandsgerechte Vergabe. Die niedersächsische Bauwirtschaft – so Behnke in seinem Abschlussstatement – ist schwerpunktmäßig mittelständisch geprägt. Öffentliche Bauprogramme müssen daher so ausgestaltet werden, dass regionale Fachbetriebe echte Chancen haben, sich zu beteiligen. Mittelstandsgerechte Vergabe stärkt Wettbewerb, regionale Wertschöpfung, Ausbildungsbetriebe und verlässliche Strukturen vor Ort. Große Investitionsprogramme dürfen nicht automatisch in überdimensionierte Paketvergaben münden, die leistungsfähige mittelständische Unternehmen faktisch ausschließen.

Aus Sicht des Verbandes braucht es handhabbare Lose, faire Vertragsbedingungen, realistische Zeitpläne und eine ausgewogene Risikoverteilung. Gerade im Sanierungsbereich müssen Risiken transparent benannt und dürfen nicht einseitig auf die ausführenden Unternehmen verlagert werden.

Früher Dialog statt später Korrektur

Eine weitere Erkenntnis der Veranstaltung: Wissenschaft, Verwaltung und Bauwirtschaft müssen früher miteinander sprechen – nicht erst, wenn Ausschreibungen fertig sind und Kosten oder Termine unter Druck stehen, sondern bereits bei Bedarfsklärung, Variantenprüfung und Bauablaufplanung. Ein solcher Dialog kann helfen, Ausschreibungen realistischer, wirtschaftlicher und mittelstandsfreundlicher zu gestalten. Das praktische Wissen der Betriebe kann dazu beitragen, Bauabschnitte sinnvoll zu strukturieren, Risiken besser einzuschätzen und Umsetzungsprobleme frühzeitig zu vermeiden.

Positives Fazit

Die Veranstaltung hat den Handlungsdruck im Hochschulbau klar sichtbar gemacht und zugleich gezeigt, dass Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft gemeinsame Interessen haben: moderne Hochschulgebäude, funktionierende Bauprozesse, verlässliche Investitionen und eine starke regionale Bauwirtschaft.

Die niedersächsischen Bauunternehmen stehen bereit, ihren Beitrag zu leisten – bei Sanierung, Modernisierung, Umbau, Erweiterung und Neubau. Entscheidend ist nun, dass aus den bereitgestellten Mitteln baureife Projekte, faire Ausschreibungen und funktionierende Baustellen werden.

Registrierte Mitglieder erhalten Zugriff auf detaillierte Informationen und Dokumente.

Eingeloggt bleiben

Als registriertes Mitglied des BVN stehen Ihnen weitere Informationen und Downloads zur Verfügung.