Einigung im Spitzengespräch erzielt
Die Tarifvertragsparteien des Baugewerbes – ZDB, HDB und IG BAU – haben in einem intensiven Spitzengespräch am 29./30. April 2026 in Wiesbaden einen wichtigen Einigungsvorschlag zur zukünftigen Ausgestaltung der Sozialkassenbeiträge erzielt. Nach rund sechs Stunden Verhandlungen in der Nacht konnten zentrale Fragen zur Finanzierung des Urlaubskassenverfahrens, der Winterbeschäftigungsumlage und der tariflichen Altersvorsorge geklärt werden.
Wesentliche Ergebnisse des Spitzengesprächs
1. Absenkung des Beitrags zum Urlaubskassenverfahren
Zum 1. Juli 2026 wird der Beitragssatz von derzeit 15,1 % um 0,4 Prozentpunkte auf 14,7 % reduziert. Damit werden vorhandene Rücklagen gezielt abgebaut und die Betriebe kurzfristig entlastet.
2. Verlängerung der abgesenkten Winterbeschäftigungsumlage
Die bereits geltende Absenkung der Umlage wird um zwei weitere Jahre (2027 und 2028) verlängert:
- Arbeitgeber: minus 0,6 Prozentpunkte
- Arbeitnehmer: minus 0,4 Prozentpunkte
Auch hier profitieren die Betriebe von einer spürbaren finanziellen Entlastung.
3. Tarifliche Altersvorsorge – wichtige Weichenstellungen
a) Rentenbeihilfe vollständig ausfinanziert
Der notwendige Kapitalstock ist erreicht. Künftige Überschüsse fließen vollständig in die kapitalgedeckte Tarifrente Bau.
b) Tarifrente West – Beitragssatz bleibt stabil
Der Beitragssatz im VTV bleibt bei 3,2 %. Der bisher enthaltene Solidarbeitrag entfällt. Die Beitragszusage im TV TZA steigt zum 1. Juli 2026 von 2,3 % auf 3,2 % – kostenneutral für die Betriebe, da der VTV-Beitrag dies vollständig abdeckt. Auch der Kopfbeitrag für Angestellte wird kostenneutral auf 67,00 € angehoben.
c) Angleichung Ost an West – vollständige Harmonisierung bis 2028
Die Tarifrente Bau Ost wird in zwei Stufen an das Westniveau angepasst:
- 1. Januar 2027: +1,0 Prozentpunkt auf 2,7 %
- 1. Januar 2028: +0,5 Prozentpunkte auf 3,2 %
Auch hier erfolgt die Gegenfinanzierung über die Absenkung des Urlaubskassenbeitrags und die verlängerte Winterbeschäftigungsumlage.
d) Altersvorsorge für Auszubildende
Der Beitrag steigt:
- 2027: von 20 € auf 25 €
- 2028: von 25 € auf 30 €
- ab 2029: jährliche Anpassung entsprechend der prozentualen Lohnerhöhung des Vorjahres
4. Weitere Gespräche geplant
Die Tarifparteien setzen ihre Gespräche mit dem BMAS über eine mögliche staatliche Finanzierung eines „Klima-Kurzarbeitergeldes“ fort.
Bewertung: Ein wichtiger Schritt für die Branche
Mit der erzielten Einigung werden zwei zentrale Themen erfolgreich abgeschlossen:
- Endgültige Ausfinanzierung der Rentenbeihilfe
- Vollständige Ost-West-Angleichung der Tarifrente Bau
Damit verfügt die Branche künftig über eine einheitliche, solide finanzierte und attraktive tarifliche Altersvorsorge. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Bauunternehmen im Ringen um Fachkräfte und Auszubildende.
Zudem profitieren die Betriebe unmittelbar von Beitragsentlastungen durch den Abbau überhöhter Rücklagen im Urlaubskassenverfahren und bei der Winterbeschäftigungsumlage. Für Unternehmen im Osten wirken diese Entlastungen gleichzeitig als Abfederung der Kosten aus der Angleichung der Tarifrente.
Weiteres Vorgehen
Gemäß Satzung des ZDB und der Geschäftsordnung des Sozialpolitischen Ausschusses (SPA):
- Die Verhandlungskommission entscheidet im schriftlichen Verfahren, ob das Ergebnis der Mitgliederversammlung als Tarifvorschlag vorgelegt wird.
- Eine Erklärungsfrist konnte noch nicht vereinbart werden, da eine technische Frage mit der BaFin zu klären ist.
- Die Ausformulierung der Tarifverträge – einschließlich der neuen Kopfbeiträge für Angestellte – erfolgt am 5. Mai 2026.
- Der Versand an die ZDB-Mitgliederversammlung zur Abstimmung erfolgt nach Zustimmung der Verhandlungskommission.