der Verband berichtet

Der Niedersächsische Bautag 2026

Klimawandel, Bauen und aktuelle, politische Themen – was beschäftigt die Baubranche?

Seit langer Zeit fand der Niedersächsische Bautag 2026 wieder in Präsenz statt. Rund 140 Teilnehmender trafen sich am 25. Februar bei der VHV in Hannover, um mehr über politische Rahmenbedingungen und Extremwetterbedingungen und ihre Folgen für das Baugewerbe zu erfahren.

Nach der Begrüßung durch Sebastian Römer (Regionalleiter Vertriebsdirektion Bauwirtschaft, VHV Allgemeine Versicherung AG) eröffnete Matthias Wächter, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen (BVN), den Niedersächsische Bautag. Er ging auf „Politische Rahmenbedingungen 2026: Neues aus Niedersachsen und Berlin“ ein. Wächter führte eine Vielzahl wichtiger Themen an, die Bauunternehmen in diesem Jahr beschäftigen werden.

Neues aus Berlin

Zuerst ging er dabei auf das „Sondervermögen“ ein. „Die Baupolitik wurde in den vergangenen Monaten maßgeblich bestimmt durch die Verteilung der Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie des SV Bundeswehr unter Vergabegesichtspunkten.“ Dies spiegelt sich auch in Niedersachsen wider, welches mit einem Gesamtvolumen von 9,42 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur sowie einem zusätzlichen Sofort-Investitionspaket arbeitet. Niedersachsen erhöht zudem dauerhaft die Investitionen auf 170 Mio. Euro pro Jahr für Sanierung und Substanzerhalt des bestehenden Straßen- und Brückennetzes, dies soll durch die Verstetigung der Mittel umgesetzt werden. Wie Wächter betonte, werde es zwischen dem Land Niedersachsen und der Bauwirtschaft eine enge Abstimmung geben, unter anderem die „Charta für Infrastruktur“ und den „Runden Tisch für Straßenbau“.

Ein weiteres Thema war die Vergabeproblematik, die Wächter am Beispiel des Sondervermögens Bundeswehr erläuterte. Schwierig sei dort bei einer Ausschreibung vor allem gewesen, dass Betriebe eine gewissen Erfahrung mitbringen müssten. „Wer von Ihnen hat in den letzten Jahren Kasernen gebaut?“, fragte Wächter in die Runde. Rückmeldungen gab es keine. Mittelständische und größere Bauunternehmen kämen bei den Vergaben nicht zum Zuge. Stattdessen böten sich nur Chancen für ausländische Anbieter, wie französische und österreichische Konzerne oder die Strabag.

Auch die Tariftreue stehe, laut Wächter, aktuell auf der politischen Agenda. Künftig sollen alle Unternehmen bei Baumaßnahmen des Bundes Mindestarbeitsbedingungen einhalten. Die Pflichten zum Nachweis der Einhaltung tariflicher Arbeitsbedingungen entfielen hingegen, wenn tarifgebundene Auftragnehmer präqualifiziert sind und Mitglied im Tarifträgerverband sind. Der Vorschlag der Verbände, dass die Präqualifizierung Bau und die Bescheinigung des Arbeitgeberverband ausreichen sollen, wurde aufgegriffen.

Auch in Niedersachsen wurde am 24. Februar ein Entwurf zur Novellierung des Tariftreue- und Vergabegesetzes (NTVergG) im Landeskabinett verabschiedet und in den Landtag eingebracht, der ab einem geschätzten Auftragswert von 20.000 Euro gelten soll. Aufgenommen wurde auch hier der Vorschlag der Bauverbände, dass Innungsbetriebe ihre Tariftreue bürokratiearm nachweisen können.

Weitere Themen des BVN-Hauptgeschäftsführers waren die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG), die Vergabebeschleunigung, die Novelle des Baugesetzbuches (Bau GB) und die Wohnbauförderung der KfW sowie das Bündnis für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen.

„Extremwetter im Klimawandel“ – Was kommt auf uns zu?

Im Anschluss sprach ARD-Meteorologe und Moderator Karsten Schwanke über die Veränderung des Wetters und was dieses für den Standort Deutschland und den Neubau bedeute. Ein wichtiges Entscheidungskriterium für die zukünftige Stadtplanung sei die Entwicklung des Regens, so Schwanke. Haben wir zukünftig viel Regen in unseren Breitegraden, dann empfiehlt es sich weiter grüne Städte mit vielen Bäumen und Pflanzen zu bauen, da diese das CO2 binden können. Bleibt der Regen aus, müsse man sich bei den zukünftigen Bauweisen an den Wüsten-Städten dieser Welt orientieren. Aktuell stellen die Meteorologen fest, dass sich zwar die Niederschlagsmenge erhöht hat, aber es insgesamt an weniger Tagen regnet. Auch die Zunahme durch Unwetterschäden war ein Thema - verbunden mit der Bitte, diese Faktoren bei der Bauplanung nicht außer Acht zu lassen.

Impulsvorträge: Wie kann Bauen bezahlbar bleiben

Nach einer kurzen Pause folgten die Impulsvorträge von Heike Böhmer (Institut für Bauforschung), Prof. Elisabeth Endres (TU Braunschweig), Jörn Makko (Bauindustrieverband Niedersachsen und Bremen) und David Jacob Huber (BFW – Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Niedersachsen/Bremen).
Zum Thema „Extremwetter, Nachhaltigkeit und immer neue Anforderungen. Wie kann Bauen bezahlbar bleiben?“ griff Heike Böhmer fokussiert die Schäden auf, die durch den Klimawandel entstehen und zog Bilanz: Nicht alles, was derzeit in Normen enthalten sei, führe zur Schadenfreiheit. Dies gelte vor allem für anspruchsvolle Gebäude. Man müsse daraus lernen, meinte Böhmer, und neue Rahmenbedingungen schaffen, um in Zukunft besser zu bauen. Prof. Elisabeth Endres beschäftigte sich hingegen mit dem Gebäudeenergiegesetz und stellte die Frage, ob es noch ausreiche, an den Gesetzen von 1970 weiterzudrehen oder ob man neu ansetzen müsse? „Es geht um die gebaute Umwelt und wie wir in Bezug auf Hitze bauen“, so Endres. Wichtig sei dabei, dass in Zukunft so gebaut wird, dass nicht die nächste Hightech-Welle ausgelöst wird, sondern dass man sinnvoll und energieeffizient denkt. „Dass wir es übertrieben haben, sehen wir an den Zahlen der Baugenehmigungen“, schloss Endres ab. Jörn Makko sprach in seinem Vortrag die Zusammenarbeit zwischen Bauunternehmen und der Versicherungswirtschaft an. Er appellierte, die Versicherer als Partner zu sehen und gemeinsam gute Produkte zu entwickeln, die Unternehmen und deren Mitarbeiter absichern. Als letzter in der Runde sprach David Jacob Huber die Baukosten an und den Aspekt, wie man bezahlbares Bauen ermöglichen könne. „Die Wohnungskrise hat mittlerweile die Mitte der Gesellschaft erreicht“, konstatierte er. Modelle wie der Gebäudetyp E, das Hildesheimer Modell oder der Hamburg Standard könnten und sollten hier langfristig finanzielle Entlastung bieten.

Nach einer weitere Pause wurde den Teilnehmend schließlich noch ein „Baurechtsupdate – Was Ausführende und Planer jetzt wissen müssen!“ von RA Mathias Sohns (Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei der VHV) geboten, der aus der Praxis referierte. Damit endetet der Niedersächsische Bautag 2026 mit einem Mittagssnack und Zeit zum Austausch und Netzwerken.

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