Baugenehmigungen und Auftragseingänge im Hochbau: Differenziertes Bild für Niedersachsen
Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen im Hochbau sowie zu den Auftragseingängen im Bauhauptgewerbe zeigen für Niedersachsen per Oktober 2025 eine insgesamt zwar stabile, jedoch weiterhin fragile Entwicklung.
Während einzelne Segmente des Bauens Anzeichen einer Stabilisierung erkennen lassen, bleibt insbesondere der Wohnungsbau deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Die Baukonjunktur wird derzeit vor allem durch den Nichtwohnungsbau sowie den Straßen- und Tiefbau getragen.
Baugenehmigungen im Hochbau: Wohnungsbau bleibt auf niedrigem Niveau
In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 bewegten sich die Genehmigungszahlen für Wohngebäude in Niedersachsen überwiegend auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums 2024. Einzelne Monate – insbesondere der September 2025 – lagen spürbar über dem Vorjahr, andere Monate dagegen darunter. Insgesamt ergibt sich für den Wohnungsbau damit keine klare Aufwärtsbewegung, sondern eine Seitwärtsentwicklung auf niedrigem Niveau. Im Vergleich zu Januar bis Oktober 2020 wurden in Niedersachsen im gleichen Zeitraum des Jahres 2025 rund 61 Prozent weniger Wohngebäude genehmigt. In absoluten Zahlen betrachtet handelt es sich dabei um rund 8.513 Gebäude bzw. 13.201 Wohnungen weniger.
Im Oktober 2025 wurden landesweit 647 Wohngebäude genehmigt. Gegenüber Oktober 2024 stellt dies zwar einen Anstieg (plus 19 Prozent) dar, im längerfristigen Vergleich bleibt jedoch auch dieser Wert deutlich hinter früheren Jahren zurück. In den Jahren 2020 und 2021 lagen die monatlichen Genehmigungszahlen für Wohngebäude häufig bei deutlich über 1.200 Vorhaben.
Besonders ausgeprägt zeigt sich die Zurückhaltung weiterhin im Ein- und Zweifamilienhausbau, der einen wesentlichen Bestandteil des Wohnungsbaus ausmacht. Auch der Mehrfamilienhausbau zeigt bislang keine nachhaltige Belebung. Damit bleibt der Wohnungsbau insgesamt strukturell geschwächt und liefert weiterhin keine verlässliche Grundlage für eine dauerhafte Ausweitung der Bautätigkeit.
Nichtwohngebäude: stabileres Genehmigungsniveau als im Wohnungsbau
Die Genehmigungen für Nichtwohngebäude zeigen im Vergleich zum Wohnungsbau ein weniger volatiles Bild. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 bewegten sich die monatlichen Genehmigungszahlen überwiegend in einer ähnlichen Größenordnung wie im Vorjahreszeitraum 2024. In einzelnen Monaten – insbesondere im September 2025 – kam es zu deutlichen Ausschlägen nach oben, die mutmaßlich auf größere gewerbliche, industrielle oder öffentliche Bauvorhaben zurückzuführen sind.
Im Oktober 2025 wurden in Niedersachsen 224 Nichtwohngebäude genehmigt und damit in etwa so viele wie im Oktober 2024. Auch wenn sich daraus alles andere als eine Aufwärtsentwicklung ableiten lässt, trägt der Nichtwohnungsbau derzeit zur Stabilisierung des Hochbaus bei. Sein relativer Anteil an den gesamten Hochbaugenehmigungen hat damit zugenommen.
Auftragseingänge: kurzfristige Stabilität trotz schwachem Wohnungsbau
Ein robusteres Bild zeigen die nominal dargestellten Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe. In den ersten zehn Monaten 2025 lagen diese insgesamt deutlich über dem Vorjahreszeitraum.
Der Wohnungsbau bleibt bei den Auftragseingängen verhalten und orientiert sich im Mittel an den Werten der vergangenen fünf Jahre. Vor dem Hintergrund der fehlenden Preisbereinigung „frisst“ die Inflation beziehungsweise die Baupreisentwicklung der vergangenen Jahre hier jedoch deutlich Substanz. Der gewerbliche und industrielle Hochbau ist weiterhin stark projektabhängig und entsprechend volatil. Einzelne Großprojekte führen zeitweise zu deutlichen Zuwächsen, sorgen jedoch nicht für eine gleichmäßige Grundauslastung.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt der öffentliche Hochbau, insbesondere durch Investitionen in Schulen, Verwaltungsgebäude und andere öffentliche Einrichtungen. Unter Berücksichtigung einzelner deutlicher Ausreißer – etwa im Februar 2025 mit einem Plus von 361 Prozent gegenüber Februar 2024 – zeigt sich hier insgesamt ein positiver Trend. Eine zentrale stabilisierende Rolle spielt weiterhin der Straßen- und Tiefbau, der sich über den gesamten Zeitraum vergleichsweise krisenfest zeigt und auch aufgrund der entsprechenden Volumina einen wesentlichen Beitrag zur Auslastung der Baubranche leistet.
Bei der Interpretation der Auftragseingänge ist zu berücksichtigen, dass die Statistik ausschließlich Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten erfasst und die ausgewiesenen Werte nicht preisbereinigt sind. Darüber hinaus werden die Auftragseingänge den Standorten der ausführenden Unternehmen zugeordnet und nicht den jeweiligen Ausführungsorten.
Genehmigungen und Aufträge im Zusammenhang betrachtet
Der gemeinsame Blick auf Baugenehmigungen und Auftragseingänge verdeutlicht erneut: Die derzeitige Situation der Bauwirtschaft in Niedersachsen wird nicht vom Wohnungsbau getragen. Während die Auftragseingänge zwar kurzfristig für Beschäftigung sorgen, bleibt die mittelfristige Perspektive im Wohnungsbau aufgrund der weiterhin niedrigen Genehmigungszahlen unsicher. Der Nichtwohnungsbau sowie öffentliche Investitionen gewinnen damit an Bedeutung für die Marktstruktur im Hochbau – und dies deutlich weniger im bauhandwerklich geprägten Bereich als im stark eingebrochenen, auf dem Ein- und Zweifamilienhausbau fußenden Wohnungsbau.
Fazit: Stabil, aber weiterhin anfällig
Zusammenfassend zeigt sich die Bauwirtschaft in Niedersachsen in den ersten zehn Monaten des Jahres zwar verhältnismäßig stabil, jedoch ohne eine breite und nachhaltige Erholung. Der Wohnungsbau bleibt deutlich hinter früheren Niveaus zurück und entwickelt sich seitwärts auf niedrigem Niveau. Der Nichtwohnungsbau sowie der öffentliche Hochbau und der Tiefbau tragen derzeit maßgeblich zur Auslastung der Branche bei.