Weniger Arbeitsunfälle, mehr Berufskrankheiten und Entlastung für Unternehmen
Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) hat ihre aktuelle Statistik für das Jahr 2024 vorgelegt. Das Ergebnis ist zwiespältig: Während die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle zurückging, wurden mehr Berufskrankheiten gemeldet. Zudem konnte die BG BAU den Beitrags- und Vorschussfuß für Unternehmen senken – eine gute Nachricht für die Betriebe der Bauwirtschaft.
Weniger Unfälle auf dem Bau
Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen sank 2024 auf 91.813 – ein Rückgang um 4.340 Unfälle bzw. 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die sogenannte Tausend-Personen-Quote (TPQ), die die Unfallhäufigkeit je 1.000 Vollzeitbeschäftigte abbildet, ging zurück: Sie liegt nun bei 43,76 (Vorjahr: 44,55).
„Der Rückgang zeigt, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Prävention Wirkung zeigen“, erklärt Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer der BG BAU. „Doch auch wenn sich die Zahlen verbessern, bleibt die Unfallhäufigkeit in der Bauwirtschaft im Branchenvergleich hoch. Viele Unfälle enden mit schweren oder gar tödlichen Folgen. Es reicht nicht, Regeln zu kennen – sie müssen konsequent umgesetzt werden.“
Tödliche Arbeitsunfälle leicht gestiegen
Trotz des Rückgangs der Gesamtunfälle ist die Zahl tödlicher Arbeitsunfälle leicht angestiegen: 78 Menschen verloren 2024 ihr Leben bei der Arbeit auf dem Bau – zwei mehr als im Vorjahr. Die häufigsten Ursachen waren Abstürze (36 Prozent), herabfallende oder kippende Bauteile (26 Prozent) und Unfälle mit Baumaschinen (15 Prozent). Diese drei Ursachen machen zusammen 77 Prozent aller tödlichen Unfälle am Bau aus.
Deutlich mehr Verdachtsmeldungen auf Berufskrankheiten
Während die Unfallzahlen sinken, steigen die Verdachtsmeldungen auf Berufskrankheiten kontinuierlich an. Für das Jahr 2024 registrierte die BG BAU 21.061 Anzeigen – ein Anstieg um 7,1 Prozent gegenüber 2023. Die häufigsten Verdachtsdiagnosen waren:
- Lärmschwerhörigkeit (4.946 Fälle)
- Hautkrebs durch UV-Strahlung (3.071 Fälle)
- Bandscheibenbedingte Wirbelsäulenerkrankungen (2.080 Fälle)
- Kniegelenksverschleiß (1.748 Fälle)
- Asbestbedingter Lungenkrebs (1.313 Fälle)
Tragischer Höhepunkt: 366 Menschen sind im vergangenen Jahr an den Folgen einer Berufskrankheit verstorben. Besonders häufig traten durch Asbest verursachte Erkrankungen wie Mesotheliome, Asbestose und Lungenkrebs auf.
Michael Kirsch betont: „Die steigenden Zahlen hängen auch mit der höheren Lebenserwartung und einer verbesserten Diagnostik zusammen. Gleichzeitig zeigt es, wie wichtig es ist, Berufskrankheiten frühzeitig zu erkennen und wirksam zu verhindern.“
Rehabilitation und Entschädigung: BG BAU investiert weiter
Die BG BAU hat im Jahr 2024 rund 1,91 Milliarden Euro für Entschädigungsleistungen ausgegeben – ein Anstieg um 2,6 Prozent gegenüber 2023. Allein für Rentenleistungen wurden rund 1,07 Milliarden Euro aufgewendet. Weitere 813 Millionen Euro flossen in Rehabilitationsmaßnahmen – davon 249 Millionen Euro für ambulante und 196 Millionen Euro für stationäre Heilbehandlungen sowie häusliche Krankenpflege.
Beitragssenkung entlastet Bauunternehmen
Auch finanziell gibt es eine positive Entwicklung für die Mitgliedsunternehmen: Der Beitragsfuß für 2024 wurde auf 39,5 Cent je 100 Euro Arbeitsentgelt in Gefahrklasse 1 gesenkt (2023: 42 Cent). Der Vorschussfuß für 2025 sinkt ebenfalls – auf 39 Cent (2024: 39,5 Cent).
„Unsere nachhaltige Haushaltsführung und der verantwortungsvolle Umgang mit den Beiträgen zahlen sich aus“, so Michael Kirsch. „Davon profitieren unsere Mitgliedsunternehmen direkt.“
Trotz positiver Entwicklungen bei den Unfallzahlen bleibt die Bauwirtschaft ein Hochrisikobereich. Die BG BAU setzt weiterhin auf Prävention, Aufklärung und konsequente Umsetzung der Arbeitsschutzmaßnahmen – und entlastet zugleich die Betriebe mit gesenkten Beiträgen.