Herbstkonjunkturumfrage: Baugewerbe blickt bekümmert aufs nächste Jahr, kaum Besserung in Sicht

Die aktuelle Umfrage zur Herbstkonjunktur, die der Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN) unter seinen 2.300 Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat, offenbart: Die Stimmung ist gedämpft. Angesichts der Auftragsrückgänge, der Stornierungen und fehlender Perspektiven schauen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf den Neu- und Wohnungsbau bedrückt in die Zukunft.

Diese Ergebnisse präsentierte der Präsident des BVN, Christian Staub, am Dienstag den anwesenden Medienvertretern. „Die Befragung wird regelmäßig durchgeführt, das Gros der 290 Teilnehmer ist im Hochbausegment tätig und beschäftigt fünf bis 49 Mitarbeiter", erläuterte Staub und führte aus, dass die gegenwärtige Lage von den Befragten deutlich negativer eingeschätzt würde als in den Vorjahren 2021 und 2022.

Bei Betrachtung der Gesamtlage sind es gegenwärtig 47 Prozent der Betriebe, die die Situation als schlecht beurteilen. Der Pessimismus wird hier mit deutlichen 57 Prozent vom Wohnungsbau dominiert. Positive Rückmeldungen kommen vom Straßen- und sonstigen Tiefbau, der die gegenwärtige Lage am optimistischsten beurteilt.

Über nahezu alle Bereiche, welche die Befragung abdeckt, zeichnen sich negative Tendenzen ab. Noch ist die Branche bemüht, die Auswirkungen trotz fehlender Aufträge – die Auftragsreichweiten liegen derzeit im Wohnungsbau bei durchschnittlich 12 Wochen – bestmöglich abzufedern. Beschäftigte und auch die Zahl der Auszubildenden sollen vorerst gehalten werden, da Fachkräfte dringend benötigt werden. Jedoch rechnen Betriebe damit, dass bei gleichbleibend schlechten Aussichten Kurzarbeit droht oder sich später möglicherweise Entlassungen nicht vermeiden lassen. „In den Vorjahren wurden die Kapazitäten ausgebaut: 200.000 Arbeitsplätze hat das Baugewerbe bundesweit geschaffen", so Staub. „Es ist nach wie vor dringend notwendig, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, so dass auf die Fachkräfte auch künftig nicht verzichtet werden kann."

Zwar ist der Preisdruck über die vergangenen drei Jahre tendenziell abnehmend und auch auf der Verkaufsseite wurden vermehrt Preise für Bauleistungen reduziert. Jedoch leiden die Unternehmen zunehmend unter den Finanzierungsschwierigkeiten der Bauherren, beispielsweise durch abgeschaffte Förderprogramme. Während zuvor der Fachkräftemangel und Lieferschwierigkeiten zu den Top-Behinderungsgründen der Bautätigkeit zählten, sind es 2023 die fehlenden Aufträge.

Auch das nächste Jahr betrachten die Befragten mit Sorge.
Hier fußt die Erwartungshaltung auf bereits rückläufigen Entwicklungen zum Zeitpunkt der Datenerhebung.

Um möglichst schnell aus der Rezession in einen positiven Trend zu gelangen, sind bessere politische Rahmenbedingungen gefragt: Neben der Absenkung der Grunderwerbssteuer tritt der BVN für eine verlässliche Förderkulisse, die Rückkehr zur Förderung des EH55-Standards, eine weitgehende Digitalisierung und Vereinheitlichung von Ausschreibungen auf einer Vergabeplattform sowie für die zügige Umsetzung der geplanten Niedersächsischen Umbauordnung ein.

Mehr zum Thema erfahren Sie im NDR-Beitrag, der in der ARD-Mediathek unter diesem Link abrufbar ist.

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