Standpunkt 07 & 08/2026

Die Baustelle 07 & 08/2026
Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht. Hohe Energiekosten treiben Unternehmen ins Ausland, mehr als 100.000 Industriearbeitsplätze sind bereits verloren gegangen. Auch das Baugewerbe, insbesondere der Wohnungsbau, steckt tief in der Krise. Die aktuellen Zahlen zu den Baufertigstellungen sprechen eine klare Sprache.

2025 wurden nur noch 206.600 Wohnungen fertiggestellt – 18 Prozent weniger als im ohnehin schwachen Vorjahr. Ursache ist der dramatische Einbruch bei den Baugenehmigungen seit 2022. Gleichzeitig wächst der Bauüberhang weiter: Von 760.700 genehmigten Wohnungen wurde bei 453.000 noch nicht einmal mit dem Bau begonnen. Auch 2026 ist keine Trendwende in Sicht. Die Krise am Bau hält an.

Umso wichtiger ist es, neue Märkte zu erschließen. Potenzial bietet der Hochschulbau. Deshalb haben die niedersächsischen Bauverbände ihre Bauunternehmen mit den Vertretern von Hochschulen und Universitäten auf der Veranstaltung „Bauen für die Wissenschaft“ zusammengebracht. Im Mittelpunkt standen der enorme Sanierungsstau und die Frage, wie Investitionen schneller in konkrete Bauprojekte umgesetzt werden können.

Für die Bauwirtschaft eröffnet sich hier ein attraktives Geschäftsfeld. Die Hochschulen machten deutlich: Viele Gebäude sind sanierungsbedürftig, der Investitionsbedarf ist gewaltig. Gerade mittelständische Baubetriebe können dabei eine Schlüsselrolle übernehmen. Sie sind vor Ort, kennen die Anforderungen öffentlicher Auftraggeber und verfügen über umfangreiche Erfahrung bei Sanierungen und Bauen im Bestand.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs kündigte auf der Tagung an, bis 2031 mehr als 1,3 Milliarden Euro in Neubauten und Sanierungen zu investieren. Allein 500 Millionen Euro sollen in die Modernisierung von Hochschulgebäuden fließen. Gleichzeitig sollen die Hochschulen durch die Reform des Hochschulgesetzes mehr Eigenverantwortung erhalten und Projekte schneller umsetzen können. Das schafft neue Chancen für den baugewerblichen Mittelstand

Die wichtigste Erkenntnis der Tagung: Wissenschaft, Verwaltung und Bauwirtschaft müssen früher zusammenarbeiten. Nicht erst bei fertigen Ausschreibungen oder wenn Kosten und Termine unter Druck stehen. Sondern bereits bei der Bedarfsklärung, der Variantenprüfung und der Bauablaufplanung. Wer die Erfahrung der Bauunternehmen früh einbindet, erhält realistischere Ausschreibungen, bessere Kostenkontrolle und weniger Probleme bei der Umsetzung. Genau darin liegt der Schlüssel für schnellere und erfolgreichere Bauprojekte im Hochschulbau.

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