Standpunkt 05 & 06/2026

Die Baustelle 05 & 06/2026
Reformpolitik ist ein zähes Geschäft. Das zeigen die staatlichen Bemühungen, den darniederliegenden Wohnungsneubau wieder ans Laufen zu bringen. Wer hier auf schnelle politische Reformen hofft, der wird enttäuscht. Doch Tempo ist angesagt.

Die Analyse ist ebenso einfach wie ernüchternd. Die rote Linie beim Neubau wird auch 2026 wieder gerissen: Experten erwarten für dieses Jahr 2026 einen Rückgang der Zahlen auf unter 200.000 neu gebaute Wohnungen. Das ist nicht einmal die Hälfte der Neubauwohnungen, die es geben müsste. Die Hauptursachen für den Absturz des Wohnungsneubaus lagen neben den gestiegenen Baukosten in einem Nicht-Reagieren mit vergünstigten Zinsen auf den Zinsanstieg der Kapitalmärkte. Gleichzeitig geht auf dem Wohnungsmarkt nichts mehr: Wer umzieht, hat verloren. Denn selbst wer in eine deutlich kleinere Wohnung wechseln will, zahlt dabei drauf. Die Folge: Der Wohnungsmarkt ist eingefroren.

Deshalb dürfen jetzt bei der Wohnungsbaupolitik nicht nur mittel- bis langfristig wirkende Maßnahmen im Vordergrund stehen, sondern sofort wirkende Aktivitäten müssen her. Denn nur ein stabiler, funktionierender Wohnungsbau ist in der Lage, den Konjunkturmotor anzuwerfen. Bezahlbares Wohnen ist zudem ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für die Gewinnung von dringend benötigten Arbeitskräften.

Das Bundesbauministerium ging den richtigen Weg, als es stabile Bauzinsen für private Bauherren durch Zinsverbesserungen bei den KfW-Förderprogrammen „Jung kauft Alt“ und „Wohneigentum für Familien“ schaffen wollte. Doch das waren Einzelmaßnahmen und sie sind angesichts des Zinsanstiegs durch den Irankrieg jetzt nur von kosmetischer Natur. Generell gilt: Um eine Trendwende im Wohnungsbau zu schaffen und um die Kraft des Wohnungsbaus für ein fundiertes Wachstum in Deutschland zu nutzen, muss die Schlagzahl erhöht werden und bezahlbarer Wohnungsbau wieder die Regel werden.

Dass das möglich ist, haben die Beispiele auf dem Deutschen Wohnungsbautag am 24. März 2026 in Berlin gezeigt. Schon heute lassen sich Wohnungen wesentlich günstiger bauen, als es in Großstädten der Fall ist. Dort liegen nach Berechnungen der ARGE Kiel die Gestehungskosten pro Quadratmeter Wohnfläche im Schnitt aktuell bei mehr als 4.630 Euro ohne Grundstückskosten, was umgerechnet mindestens 18 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter bedeutet. Das ist zu teuer für den Durchschnittsverdiener. Wesentlich günstiger geht es dagegen im benachbarten Schleswig-Holstein. Dort betragen die Baukosten für Wohnungen, die zu den Bedingungen der Sozialen Wohnraumförderung gebaut werden, nach Angaben der ARGE Kiel aktuell weniger als 3.500 Euro pro Quadratmeter.

Daher sollten zukünftige Förderungen vor allem das bezahlbare Bauen und Wohnen in den Fokus rücken. Der momentane Standard nach Gebäudeenergiegesetz bildet dabei ein Niveau ab, das ein wirtschaftliches Optimum zwischen energetischer und klimaschutzrelevanter Effizienz unter der Berücksichtigung der dafür notwendigen Investitionen darstellt. Neue Förderkonzepte der KfW sollten daher auf diesen Standard referenzieren.

Neben der Ausrichtung der Förderrichtlinien auf bezahlbares Bauen muss aber auch die kurzfristige Reduktion der Baukosten durch eine schlanke und pragmatische Lösung des Gebäudetyp- E-Konzeptes als neuem Basisstandard Wohnen angeschoben werden.

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