Standpunkt 12/2025

Die Baustelle 12/2025
Der Bau-Turbo soll es richten. Mit dem im Oktober verabschiedeten Programm will die Bundesregierung endlich wieder Bewegung in den Wohnungsbau bringen. Nach Jahren vergeblicher Warnungen, der Stagnation und lähmender Verfahren sollen jetzt Planungen beschleunigt, Genehmigungen vereinfacht und Handlungsspielräume erweitert werden. Das ist ein wichtiger Schritt – aber kein Befreiungsschlag.

Künftig können Kommunen vom Planungsrecht abweichen, wenn keine erheblichen Umwelt- oder Nachbarschaftsbelastungen zu erwarten sind. Durch das neue Verfahren lassen sich zusätzliche Wohnungen genehmigen, ohne dass jedes Mal ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden muss, was besonders bei Nachverdichtungen oder Umnutzungen im Bestand Zeit spart. Das eröffnet Chancen – vorausgesetzt, die Gemeinden nutzen diese Möglichkeiten auch.

Hier genau liegt der Prüfstein. Denn ob der Bau-Turbo seine Wirkung entfaltet, entscheidet sich in den Rathäusern. Jede Gemeinde kann selbst entscheiden, ob sie diese Möglichkeiten nutzt. Das Gesetz bietet Flexibilität, trifft in der Praxis jedoch auf Verwaltungen, deren eigene Flexibilität erfahrungsgemäß überschaubar ist. Ohne ausreichend Personal, klare Zuständigkeiten und digitale Verfahren wird in vielen Bauämtern der Turboschalter schwer umzulegen sein.

Dennoch ist der Bau-Turbo ein Schritt in die richtige Richtung. Die Politik hat erkannt, dass der Wohnungsbau vor allem durch die ungünstigen Rahmenbedingungen gebremst wird. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und ein Dschungel aus Normen und Vorschriften ersticken viele Projekte im Keim. Bauen in Deutschland ist zu teuer, zu kompliziert und für viele Familien unerschwinglich geworden.

Zwei Drittel aller neuen Wohnungen entstehen durch private Bauherren. Doch genau diese Gruppe hält sich nach wie vor stark zurück. Was wir brauchen, ist mehr Tempo und weniger Bürokratie, zinsgünstige Darlehen und eine ernsthafte Entlastung bei den Baunormen. Sonst wird auch der beste Bau-Turbo wenig bewirken.

In diesem Sinne blicken wir trotz aller Unsicherheiten zuversichtlich auf das kommende Jahr. Nach fünf Jahren Rückgang erwarten die Wirtschaftsforschungsinstitute ab 2026 erstmals wieder ein leichtes Wachstum der Bauinvestitionen. Wenn Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft gemeinsam anpacken, kann 2026 wieder ein Jahr werden, in dem gebaut wird – pragmatisch, wirtschaftlich und mit dem Mut zur Umsetzung.

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Ab 2026 bauen wir unser Medien-Angebot um, um Ihnen noch schneller relevante Informationen zu liefern und noch mehr Raum für Hintergrundberichte zu schaffen. Auf unserer Website www.bvn.de lesen Sie zeitnah relevante Artikel, in unserem WhatsApp-Kanal und im monatlichen E-Mail Newsletter informieren wir über aktuelle Themen. In der BAUSTELLE, die ab 2026 alle zwei Monate erscheinen wird, werden wir uns mehr Raum für Hintergrundberichte nehmen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest, erholsame Tage und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2026!

 

 

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